Annas Reich
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Gleitschirmfliegen

Sei es der Wunsch, die Welt aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen, für einige Augenblicke frei von dem Druck des Alltags zu sein oder die Natur hautnah zu erleben. Was es auch immer sein mag, seit jeher verlockt eine unerklärliche Sehnsucht die Menschen dazu, es den Vögeln gleich zu tun.
Doch der Traum vom Fliegen blieb jahrtausendlang nur den Göttern aus Sagen und Mythen vorbehalten. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde dank der Entwicklung eines gleitflugfähigen Flugapparates von Otto Lilienthal das Sehnsuchtsbild vom vogelähnlichen Fliegen erfüllt.

Heute wird der Wunsch sich in den Weiten der Lüfte bewegen zu können, durch das Gleitschirmfliegen hautnah erfüllt. So üben momentan in Deutschland mehr als 30.000 Personen diese mitreißende einfache Form der Fliegerei aus.

 

 

Geschichte

 


Mythos

Der ewige Traum vom Fliegen faszinierte die Menschheit schon immer. Ihr blieb jedoch lange nur die Möglichkeit, das elegante Spiel der Vögel in den Lüften zu bewundern. Die Sehnsucht, dieses Schauspiel nicht nur zu bestaunen, sondern es auch aus eigener Kraft zu erleben, spiegelte sich in vielen Sagen und Mythen wieder. Hier überwanden verschiedene Fabelwesen mit Besen, Teppichen oder abenteuerlichen Fluggeräten die Schwerkraft.

Flugversuch von Otto Lilienthal Doch fliegende Sagengestalten waren den Menschen nicht genug. So versuchten immer wieder erfinderische Personen sich in die Lüfte zu erheben. Unglaublich, die skizzierten Fluggeräte des Genies Leonardo da Vinci wären mit heutigen Materialien flugfähig gewesen. Doch musste die Menschheit noch ca. 400 Jahre warten, bevor der Traum vom Fliegen in Erfüllung ging. 1891 leitete Otto Lilienthal mit seinen ersten Fluggeräten, schwerer als Luft, die ersten Flüge der Menschheits-geschichte ein.

In den kommenden Jahren entwickelte sich die Luftfahrt so rasant, dass nur wenige Jahre später die ersten Motorbetriebenen Flugzeuge den Atlantik überquerten. Im Zweiten Weltkrieg bestimmten inzwischen Flugzeuge entscheidend den Kriegsverlauf.

Der Gründervater des Gleitschirms

Der eigentliche Entwickler des heutigen Gleitschirms ist der Amerikaner Frances Rogallo. Er entwickelte Ende der 40er Jahre eine flexible Tragfläche, die Platz sparend in einem Beutel aufbewahrt werden konnte und dennoch stabil flog. Anfangs wurde diese Konstruktion als Kinderdrachen, später auch als Gleitsegel (Gleitschirm) benutzt. Frances Rogallo

Entscheidente Impulse zur Weiterentwicklung des Gleitschirms gab Anfang der Siebziger Domina Jalbert. Sein entworfenes Parafoil löste die Rundkappe der Fallschirme ab und wurde zum meistverwendeten Sprungschirm (Fallschirm) auf der Welt.

Die Ursprünge des Gleitsegelns

Die eigentlichen Wurzeln des Gleitschirmfliegens liegen bei den Fallschirmspringern.

Claude Betemps und Gerard Bossom suchten nach Wegen, Kosten sparend das Ziellanden zu üben. Zu diesem Zweck starteten sie mit ihren Sprungschirmen im Juni 1978 in Frankreich vom Berg Pertuiset. Nachdem Betemps seinen Schirm ausgebreitet und sich eingehängt hatte, rannte er den Hang hinab. Der Schirm füllte sich mit Luft und trug Betemps auf den einige tausend Meter tiefer gelegenen Landeplatz.

Aus dem Versuch jene Aktion geheim zu halten wurde nichts. Aufgrund der großen Nachfrage gründeten sie eine Flugschule und bildeten einige hundert Piloten aus. Mehrere dieser Schüler machten sich nun Gedanken darüber, wie man diese Fallschirme, zu deren Start man immer zwei Starthelfer benötigte, verbessern könnte.

Mitte der 80er Jahre entwickelte Laurent de Kalbermatten diese Vorläufer des Gleitschirms entscheidend weiter. Der Gleitschirm - ein kontengünstiges, leichtes und Platz sparendes Fluggerät, zu dessen Start man keine fremde Hilfe mehr benötigte - war geboren. Der darauf folgende Siegeszug des Gleitschirmfliegens war nicht mehr aufzuhalten.

Der Siegeszug des Gleitschirmfliegens

Diese neue Sportart sprach vorerst Bergsteiger an, da durch diese Form der Fliegerei der sonst so mühsame Abstieg zu einem wahren Erlebnis wurde. Doch bald wurden diese als "Abstiegshilfe" entwickelten Prototypen der Gleitschirme, die anfangs nur in Frankreich verkauft wurden, auch in Italien, Österreich, Schweiz und in Deutschland auf den Markt gebracht. Die Nachfrage war inzwischen so groß, dass die finanziellen Vorraussetzungen für Entwickler gegeben waren um immer bessere Schirmtypen konstruieren zu können.

Durch diese Weiterentwicklung wurde die Gleitzahl - das Verhältnis von verbrauchter Höhe zu zurückgelegter Strecke - verbessert. Durch das geringe Eigensinken gelang es den Piloten nun immer länger in der Luft zu bleiben und die Thermik - von der Sonnenstrahlung auf dem Boden erwärmte aufsteigende Luftblasen - auszunutzen. Das Ziel war nun längst nicht mehr, unversehrt zu landen, sondern Flüge über größere Distanzen und von längerer Dauer zu absolvieren.

Durch diese Weiterentwicklung änderte sich auch die Interessengruppe. Das vorerst nur auf Alpen beschränkte Paragliding (Gleitschirmfliegen) weitete sich auf das Flachland aus. Parallel dazu wuchs das Interesse der Medien. Nun musste sich der Staat mit dem Gleitschirmfliegen befassen und gesetzliche Rahmenbedingungen erlassen. 1987 wurde diese Sportart schließlich offiziell auf Engagement des DHV - Deutscher Hängegleiterverband e.V. - in Deutschland zugelassen. Bald gründeten sich die ersten Gleitschirmfliegervereine.

 

 
 

Was ist Gleitschirmfliegen?

 
Ähnlich wie die französischen Pioniere im Jahr 1978, starten die heutigen Gleitschirmpiloten von einem Berg. Jedoch haben sich mehrere Aspekte geändert: Die schwerfällige Rechteckform des Schirms wurde durch eine aerodynamische elliptische Form, welche enorme Leistungssteigerungen ermöglichte, ersetzt. Somit hat sich für moderne Schirme das Startverfahren bedeutend vereinfacht. Die Piloten benötigen im Gegensatz zu ihren Vorgängern keine Starthelfer und wesentlich weniger körperliche Anstrengung. Schon nach wenigen Schritten entschwebt der Pilot in die dritte Dimension.

Steuerung

Unverändert blieb aber die einfache Steuerung: um nach rechts zu fliegen - rechte Steuerleine ziehen; um nach links zu fliegen - linke Steuerleine ziehen. Durch das Ziehen der jeweiligen Steuerleine (Bremse) wird die Hinterkante des Segels heruntergezogen. Dieses Ziehen hat eine Verlangsamung der jeweiligen Schirmhinterkante zur Folge. Dadurch wird der Gleitschirm steuerbar.

Wer fliegt?

Aufgrund dieser Einfachheit und dem Wunsch etwas neues zu erleben würden laut einer aktuellen Untersuchung der GfK - Gesellschaft für Konsumforschung - 15,7% der Deutschen (8,32 Mio. Menschen) gerne das Gleitschirmfliegen ausprobieren. Tatsächlich fliegen aber nur ca. 30.000 Personen in Deutschland. Von jenen Fluginteressierten sind 64,6% Männer und 35,4% Frauen. Jedoch wird er so nicht in die Realität umgesetzt. Denn tatsächlich sind nur 12,6% der deutschen Gleitschirmflieger weiblich.

Voraussetzung

Um selbst als Gleitschirmpilot in Deutschland fliegen zu können benötigt man ein gesundes Körperempfinden, Koordinationsfähigkeit, ein Mindestmaß an Sportlichkeit und muss mindestens 14 Jahre alt sein, während das Mindestalter vor einem Jahr noch 16 Jahre betrug. Diese Herabsetzung des Mindestalters ist u.a. auf die zunehmende Sicherheit beim Gleitschirmfliegen zurückzuführen. Jene These wird zu einem späteren Zeitpunkt dieser Arbeit belegt.

Rekorde

War ein Flug über 100 Kilometer Ende der 80er Jahre von vielen als eine Wunschvorstellung angesehen, so wurde er schon Anfang der 90er Jahre Realität und ist heute für geübte Piloten keine Seltenheit mehr. Bei guten Verhältnissen gelingt es geübten Piloten bis auf Höhen von über 4.000 Metern aufzusteigen. In besonderen Gebieten wie Südafrika können sogar Höhen von nahezu 6.000 Metern erreicht werden. Der aktuell bekannte Streckenflugrekord liegt bei 335 Kilometern. Er wurde im Jahr 1999 von dem Australier Godfrey Wenness aufgestellt. Der Höhenrekord liegt z.Z. bei einer Flughöhe von etwa 5.8000 Metern und wurde durch den Engländer Robbie Whittal im Jahr 1995 aufgestellt.

Bevor man sich aber mit dem Gleitschirm in die Luft erheben kann, benötigt man eine entsprechende Ausrüstung und Ausbildung.

 

 
 

Ausrüstung

 

Eine vollständige Fliegerausrüstung besteht aus Gleitschirm, Gurtzeug mit integriertem Rettungsschirm (Notfallschirm), Helm, Kleidung und zusätzlichen Instrumenten.

Gleitschirm

Heutige Gleitschirme sind Computerberechnete Hightech-Produkte. Ihre Gleitzahl beträgt 1: 8. Das bedeutet, dass ein Pilot aus einem Kilometer Höhe etwa acht Kilometer weit gleitet. Die Maximalgeschwindigkeit des Paragliders (Gleitschirm) beträgt zwischen 50 und 60 km/h.

Das Fluggerät besteht aus 3 wichtigen Teilen:

  • Kappe des Gleitsegels: besteht aus Ober- und Untersegel, die durch Querrippen miteinander verbunden sind und die Form einer Flugzeugtragfläche aufweist

  • Leinensystem: verbindet Kappe und Tragegurt mit der Aufgabe die Form der Kappe zu bestimmen

  • Tragegurt: verbindet das Leinensystem mit dem Gurtzeug
    ein Gleitschirm bei Sonnenuntergang

Die Gleitschirmkappe wird beim Start mit Luft gefüllt. Die anströmende Luft kommt im Inneren der Kappe zum Stillstand und erzeugt einen Staudruck. Durch diesen Staudruck wird der Gleitschirm "aufgeblasen" und entfaltet erst jetzt sein flugfähiges Profil. Damit der Gleitschirm aber mit Luft angeströmt werden kann, ist es grundsätzlich notwendig, entgegen der Windrichtung zu starten.

Der DHV unterteilt Gleitschirme in drei Klassen. Mit steigender Kategorie (Klasse) nimmt die Leistung des Gleitsegels und die Anforderung an den Piloten zu. Somit ist für Anfänger empfehlenswert, Fluggeräte der Kategorie 1 oder 1-2 zu fliegen, da Gleitschirme dieser Kategorie ein gutmütiges Flugverhalten besitzen und auch größere Pilotenfehler verzeihen. Geräte der Kategorie 2 sind dagegen für fortgeschrittene Piloten, die regelmäßig fliegen, geeignet, da diese ein anspruchsvolleres Flugverhalten haben sowie dynamisch auf Störungen und Pilotenfehler reagieren. Die Einstufungen 2-3 und 3 sind nur für Piloten mit überdurchschnittlichen Erfahrungen bestimmt, denn diese als Hochleister bezeichneten Gleitschirme verlangen höchste Aufmerksamkeit und Professionalität vom Piloten.

Gurtzeug und Rettungsschirm

Das Gefühl in einem Gurtzeug zu sitzen ähnelt dem, in einen weichen Sessel zu rasten. Der Unterschied ist, dass dieser "Sessel", der ein Herausfallen des Piloten durch Bein-, Brust- und Schultergurte verhindert, in der Luft am Gleitschirm hängt. Somit dient das Gurtzeug zur Verbindung des Piloten mit dem Gleitschirm. Das Gurtzeug erfüllt vor allem eine wichtige Aufgabe: Es dient dem Schutz des Piloten durch spezielle Schaumstoffprotektoren oder Staudruckairbags bei einer harten Landung. Der Rettungsschirm dient im Falle eines unkontrollierten Flugzustandes (Flugunfähigkeit des Gleitschirms) als Reservefallschirm. Er befindet sich im Gurtzeug und garantiert bei Höhen von über 50 Metern noch eine sichere Landung. ein Gleitschirm bei Sonnenuntergang

Kleidung

Die Kleidung besteht aus einem speziellen Overall (Ganzkörperanzug), der bequem sein und vor Kälte schützen sollte. Einen Helm, der ein möglichst großes Sichtfeld bietet und Gelenkstützende nicht rutschende Schuhe. Zusätzlich empfehlen sich wärmende Skihandschuhe und bei starker Sonne eine Sonnenbrille.

Instrumente

Nützlich für das Gleitschirmfliegen sind verschiedene Instrumente: Das Variometer (siehe Grafik rechts) zeigt dem Piloten steigen und sinken, sowie die aktuelle Flughöhe an. Zur Ortsbestimmung ist ein GPS (Satelliten- Navigations- System) hilfreich. Ein Barograph (Höhenschreiber) dient der Streckenflugdokumentation bei Wettkämpfen. Zusätzlich kann man mit einem Anemometer (Windmesser) die Geschwindigkeit des Piloten gegenüber in der ihn umgebenden Luft messen werden.

 

 
 

Ausbildung

 


Eine Ausbildung ist in Deutschland zwingend vorgeschrieben.

Schnupperkurs

Wer sich nicht sicher ist, ob die Fliegerei die geeignete Sportart für ihn darstellt, sollte zuerst einen zweitägigen Schnupperkurs besuchen. Dieser vermittelt ihm erste Erfahrungen mit dem Gleitschirmfliegen.

Grundkurs

Um allerdings Gleitschirmpilot zu werden muss man einen mindestens fünftägigen Grundkurs absolvieren. In diesem Kurs hat der Pilot gelernt mit dem Gleitschirm zu starten, in geringer Höhe zu fliegen und zu landen. Er darf nun unter Aufsicht eines Fluglehrers fliegen.

A-Schein

Um aber selbständig ohne Fluglehreraufsicht fliegen zu dürfen, benötigt der Flieger den beschränkten Luftfahrerschein (A-Schein). Nach absolvierter Theorieschulung in Wetterkunde, Luftrecht, Aerodynamik, Gefahreneinweisung, Gerätekunde und Naturschutz sowie beendeter Flugpraxis in alpinen und hochalpinen Geländen erhält der Pilot mit der Bestehung der Praxis- und Theorieprüfung den A-Schein.

Aerodynamik des Gleitschirms: Ursachen für Flugfähigkeit des Gerätes
Gefahreneinweisung: Reaktionen auf mögliche Gefahrsituationen werden erklärt
Luftrecht beinhaltet:

  • rechtliche Vorraussetzungen um Gleitschirm fliegen zu können

  • Orte an denen Flugverbot für Gleitschirmfliegen besteht (z.B. über Flughäfen)

  • Luftverkehrsregeln

Streckenflug

Um jedoch Strecken fliegen zu dürfen, reicht der A-Schein nicht aus. Hierzu wird ein unbeschränkter Luftfahrerschein ( B-Schein) benötigt, indem luftrechtliche Kenntnisse vermittelt werden.

Streckenflug: Pilot landet auf nicht für Starplatz vorgesehenen Landeplatz und absolviert in Regel dabei eine größere Strecke.

Andere Ausbildungen

Neben dem Start von einem Berg kann ein Gleitschirm auch mit Hilfe einer Winde in die Luft gezogen werden. Auch hierzu ist eine extra Ausbildung (Windenschein) notwendig.

Piloten mit großer Flugerfahrung und sicherer Beherrschung des Fluggerätes können eine Tandemberechtigung erwerben, die dem Pilot zu einer Passagiermitnahme berechtigt.

 

 
 

Ist Gleitschirmfliegen gefährlich?

 


Flugsicherheit stand Ende der 80er an 2. Stelle

Für viele Piloten stand Ende der 80er Jahre die Faszination des Gleitschirmfliegens im Vordergrund, was sie zu vielen Leichtsinnsfehlern verleitete. Auch bei der Herstellung damaliger Schirme wurde vor allem auf ihr Leistungspotential geachtet. Die Sicherheit rückte in den Hintergrund. Dies ließ die Unfallzahlen drastisch ansteigen und Gleitschirmfliegen eher zu einem Spiel mit dem Tod werden. Um dieses Problem zu entschärfen wurden die Ausbildungsrichtlinien massiv verschärft. Gleitschirme mussten in einem Zulassungsverfahren in extremen Flugsituationen getestet werden, bevor sie auf den Markt kamen. Somit gewann die Sicherheit immer mehr an Bedeutung und ließ die Unfallzahlen zurückgehen.

Flugsicherheit wird heute groß geschrieben

Heute steht die Flugsicherheit an erster Stelle. So wird Piloten mit Gleitschirmen ohne Zulassung oder Gütesiegel, die Starterlaubnis verweigert. Weiterhin muss jeder Gleitschirm innerhalb von zwei Jahren zu einer Nachprüfung, in welcher das Fluggerät auf seinen Zustand überprüft wird. Besitzt ein Pilot keine vorschriftsmäßige Flugausrüstung (z.B. Helm oder Rettungsschirm) oder kann er keine notwendige Gleitschirmausbildung nachweisen, darf er nicht starten.

Unfallzahlen sind in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen

Aufgrund dieser Maßnahmen sind in den letzten Jahren die Unfallzahlen kontinuierlich zurückgegangen. So verminderte sich bei anwachsender Zahl von Piloten die Zahl der Verunfallten. Verunglückten im Jahr 1997 noch 166 von den 16296 aktiven Gleitschirmfliegern (1,02% Verunglückte), so verunfallten im Jahr 1999 nur noch 116 von den 20091 gezählten Gleitschirmpiloten (0,58% Verunfallte).

Ursachen für Unfälle

Diese geringen Unfallzahlen, die hauptsächlich im Frühjahr und in der sommerlichen Urlaubssaison ansteigen, haben ihre Hauptursache in Pilotenfehlern. Nur etwa 2 % der Gleitschirmunfälle sind auf Materialfehler zurückzuführen. Zu 98% passierten die Unfälle aufgrund menschlichen Versagens. Von dieser Art Unfälle sind nur etwa 10% fremd verschuldet. Somit sind Unfälle beim Gleitschirmfliegen v.a. durch Eigenverschulden entstanden. Die Eigenverschulden waren: Mangel an Erfahrung, falsche Pilotenreaktionen und Fehleinschätzung des Wetters.

Gefährlichkeit ist nicht eindeutig zu beantworten

Wie es unterschiedliche Ansichten bezüglich der Gefährlichkeit des Gleitschirmfliegens gibt, so besitzt jeder Pilot eine eigene Auffassung gegenüber dem Gleitschirmfliegen. So geht ein draufgängerischer Pilot eher Risken ein, als ein vorsichtiger Pilot.

Eine gute Gleitschirmausbildung kann dem Piloten nur bestimmte Grundregeln im Umgang mit seinem Fluggerät beibringen, wie er jedoch diese umsetzt, liegt in der Hand jedes einzelnen Piloten.

Gleitschirmfliegen ist so gefährlich wie der Pilot

Deshalb ist Gleitschirmfliegen so gefährlich wie der Pilot. Das heißt, für einen Piloten der beim Fliegen höhere Risiken eingeht und seine eigenen Fähigkeiten nicht richtig einschätzt, stellt Gleitschirmfliegen eine höhere Gefahr dar, als für einen Piloten, der verantwortungsbewusst hohe Risiken scheut.

Gleitschirmfliegen ist also insofern gefährlich, in welchem der Maße der Pilot seine eigene Leistungsfähigkeit im Bezug zu seinem Fluggerät nicht realistisch einzuschätzen vermag und unter seinem Leistungsvermögen nicht adäquaten Flugbedingungen startet.

Für nahezu gefahrlose Ausübung sind folgende Punkte zu beachten

Die Hauptunfallursache - Eigenverschulden - kann nahezu vermieden werden. Denn erst die Beachtung folgender Punkte ermöglichen eine nahezu gefahrlose Ausübung des Gleitschirmfliegens.

  • Beherrschung der theoretischen Grundlagen

  • Beherrschung des gewählten Geräts

  • Beherrschung der Praxis

  • Beachtung der Sicherheitsvorschriften

  • Selbstbeherrschung

  • großer Respekt vor der Natur

Restrisiko bleibt wie bei anderen Dingen

Jedoch gibt es, wie bei anderen Dingen, immer ein Restrisiko. Wer versichert mir, dass ich z.B. als sicherer verantwortungsvoller Autofahrer unfallfrei bleibe? Könnte mir nicht ein Geisterfahrer auf der Autobahn entgegen kommen oder mir ein anderer die Vorfahrt nehmen? Ebenso könnte ein Gleitschirmpilot trotz aller Sicherheitsvorkehrungen mit einem anderen unvorsichtigen Piloten kollidieren.

 

 
 

Ist Gleitschirmfliegen zu teuer?

 
Kosten für Ausrüstung

Die Kosten für eine komplette Neuausrüstung erscheinen auf ersten Blick sehr erheblich und abschreckend:

Die Kosten für eine komplette Neuausrüstung betragen zwischen 2.800 und 6.300 Euro. Sie setzen sich zusammen aus: Gleitschirm 1.600 - 4.000 EUR, Rettungsschirm 350 - 600 EUR, Gurtzeug 250 - 1.100 EUR, Helm 75 - 400 EUR, Kleidung 160 - 770 EUR, Instrumente 350 - 900 EUR.

Eine gut erhalte gebrauchte Komplettausrüstung ist jedoch schon für etwa 2.500 Euro zu bekommen.

Kosten für Ausbildung

Kosten für alle Ausbildungskurse betragen zusammen etwa 920 - 2000 Euro. Sie setzen sich zusammen aus: Grundkurs 275 - 450 EUR, A-Schein 200 - 600 EUR, Windenschein 245 - 345 EUR, B-Schein 200 - 600 EUR.

Für ein Neueinsteiger ist jedoch vorerst ein Grundkurs ausreichend, um unter Fluglehreraufsicht fliegen zu können.

Weitere Kosten

Hinzu kommen laufende Kosten wie Gleitschirmüberprüfungen, Mitgliederbeiträge, Sesselliftgebühr im Gebirge, Fahrtkosten zum Startplatz und andere.

Zusammenfassung

Gleitschirmfliegen ist im Vergleich zu anderen Freizeitbeschäftigungen ein kostspieliges Hobby.Im Vergleich zu anderen Luftsportarten stellt aber Gleitschirmfliegen die kostengünstigste Variante dar, um in die Luft zu kommen.

 

 

Das Pro und Contra des Gleitschirmfliegens

   

Für

  • Freiheitsgefühl
  • Adrenalin- und Spaßfaktor
  • GF ist eine sehr naturverbundene Luftsportart, direkter Kontakt mit Luftbewegung
  • Abschalten vom Alltag, Ruhe genießen
  • Einfache Handhabung, leicht erlernbar
  • GF ist im Vergleich zu anderen Luftsportarten die kostengünstigste Variante "in die Luft zu kommen"
  • Aktivurlaub
  • einmalige Aussicht
  • Gemeinschaftsgefühl durch Gleichgesinnte
  • Erfüllung des Menschheitstraumes vom Fliegen

Wider

  • GF verzeiht keine größeren Fehler
  • GF ist sehr stark wetterabhängig (nicht jederzeit ausübbar)
  • GF kann nur an zugelassenen Startplätzen durchgeführt werden (u.U. lange Anfahrtswege)
  • GF erfordert eine Fluglizenz
  • GF erfordert ständiges Training, um auf kritische Flugzustände rechtzeitig reagieren zu können
  • GF ist im Vergleich zu anderen Freizeitbeschäftigungen ein teures "Vergnügen" (Notwendigkeit einer Haftpflichtversicherung)

 

 
  Text: Anna Rümpler, Anna Sevostianov
 
 
  Anna Rümpler